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Suche netten Typen
zum
schmusen und kuscheln,
lachen und weinen,
lieb haben und fetzen,
Pferde stehlen und Äppel klauen,
albern sein und ernste Gespräche führen,
niederknutschen und (vielleicht) heißen Sex haben.
Ich bin:
168 cm groß und wiege 60 kg.
Ich habe:
Rote Haare und grüne Augen.
Ich bin auch:
Meistens lieb,
manchmal zickig,
immer kompromissbereit,
sehr unabhängig,
aber anlehnungsbedürftig.
Meinst du, es könnte zwischen uns funken?
Ja, worauf wartest du dann noch,
schreib mir einfach:
ma@t-inline.de
***
Das Internet - unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2001. Dies sind die Abenteuer der vier Freundinnen Gabi, Gilla, Maggie und Alice, die ein Jahr lang im Cyberraum unterwegs sind, um neue Männerwelten zu erforschen und Mr. Right zu entdecken. Bits ´n` Bytes vom großen Glück entfernt, dringen die Vier in Geheimnisse der Männerwelt ein, die frau nie zuvor gesehen hat…..
Leseprobe 'ralativ-verliebt''
Maggie-Alice, 38Suche netten Typen
zum
schmusen und kuscheln,
lachen und weinen,
lieb haben und fetzen,
Pferde stehlen und Äppel klauen,
albern sein und ernste Gespräche führen,
niederknutschen und (vielleicht) heißen Sex haben.
Ich bin:
168 cm groß und wiege 60 kg.
Ich habe:
Rote Haare und grüne Augen.
Ich bin auch:
Meistens lieb,
manchmal zickig,
immer kompromissbereit,
sehr unabhängig,
aber anlehnungsbedürftig.
Meinst du, es könnte zwischen uns funken?
Ja, worauf wartest du dann noch,
schreib mir einfach:
ma@t-inline.de
***
Januar
„... und wie soll es jetzt weiter gehen?“, diese Frage hatte sich Alice schon unzählige Male gestellt, doch bis jetzt war sie zu keiner befriedigenden Antwort gelangt.
Sie hatte in den letzten Monaten einiges geschafft, sich aus einer Ehe befreit, die über 25 Jahre andauerte, die in den letzten Jahren immer weiter auseinanderdriftete.
Zuerst suchte sie sich einen Job, von dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten konnte. Verkäuferin in einer Boutique, das war sicherlich nicht ihr Traumberuf, aber er half ihr, eine bisher ungeahnte Selbstständigkeit zu entwickeln.
Dann die Gespräche mit den Söhnen: Was meint ihr, wollt ihr mit mir ausziehen, oder möchtet ihr in eurem gewohnten Umfeld bleiben? Die Antwort war ganz klar, beide wollten mit ihr zusammen den Schritt in die Unabhängigkeit wagen.
Der nächste Punkt auf der Liste war schon schwieriger zu bewältigen: Eine geeignete Wohnung musste gefunden werden. Hier half der Zufall, denn ihre Arbeitskollegin stieß in der Tageszeitung auf eine Annonce:
„Suche Nachmieter, drei Zimmer, Küche, Bad.“
Die Miete hielt sich im Rahmen des Bezahlbaren und die Wohnung erwies sich als ideal.
Der folgende Schritt war ihr unglaublich schwergefallen. Sie hatte nächtelang wach gelegen und sich überlegt, wie sie sich mit ihrem Mann auseinandersetzen sollte. Wie konnte sie ihm, der sich immer noch blind und taub stellte, klar machen, dass sie ihn verlassen würde?
Letztendlich erwies sich das Gespräch als halb so schlimm.
„Ich werde dich verlassen“, Alice ergriff spontan die Gelegenheit. Im Fernseher lief gerade die Werbepause und sie konnte hoffen, seine Aufmerksamkeit für sich zu beanspruchen.
„A-ha“, er schien nicht richtig verstanden zu haben und sie redete atemlos weiter
. „Ich habe eine kleine Wohnung angemietet, zum Ersten des nächsten Monats ziehe ich aus!“
Alfred setzte sich auf, schien langsam zu begreifen, was seine Ehefrau da von sich gab. „So, das hast du alles schon geregelt? Schön das ich auch davon erfahre“, er redete sich in Rage, „du willst mich wohl erschrecken, was! Buh, jetzt habe ich aber Angst! Wie willst du denn alleine klarkommen?“
Jetzt war Alice nicht mehr zu bremsen. Frust und Wut hatten sich schon lange in ihr aufgestaut. „Du arroganter Blödmann merkst wohl gar nichts! Hauptsache du hast deinen Fernseher, deine geregelten Mahlzeiten und immer ein kühles Bier. Wie es mir geht, interessiert dich überhaupt nicht!“
Alfred musterte sie von oben bis unten: „Ehrlich gesagt, nein, es interessiert mich nicht. Sei froh, dass ich dich und die Blagen mit durchziehe. Ohne mich würdet ihr keinen Monat zurechtkommen! Und jetzt ist Schluss mit dem hysterischen Gekeife, der Film geht weiter.“ Demonstrativ wandte er sich dem Fernseher zu und konzentrierte sich wieder auf den Agenten mit der Lizenz zum Töten.
Wortlos verließ sie das Zimmer, eigentlich war alles gesagt. In den nächsten Wochen hatte sie gepackt. Viel würde sie nicht mitnehmen, schließlich sollte es ein neues Leben werden und da wollte sie sich nicht mit Ballast aus der Vergangenheit beschweren. Alfred versuchte, ihr Tun weitestgehend zu ignorieren. Manchmal, wenn sich ihre Packerei gar nicht übersehen ließ, grinste er süffisant, oder ließ einen ironischen Kommentar vom Stapel. So richtig ernst schien er sie jedenfalls nicht zu nehmen.
Eine Woche vor dem Umzugstermin setzte er sich zu ihr in die Küche: „So, jetzt hast du es auf die Spitze getrieben, nun wird es Zeit, dass du wieder normal wirst.“
Alice schaute ihn mitleidig an: „Weißt du was, so normal wie in der letzten Zeit bin ich fast 20 Jahre nicht mehr gewesen. Wenn du bis jetzt noch nicht gemerkt hast, was los ist, so kannst du mir nur leidtun.“
Am Umzugstag fehlte jede Spur von ihm. Scheinbar hatte er in aller Frühe das Haus verlassen, doch kurz nach dem Auszug tauchte er überraschen in der neuen Wohnung auf. Sie bat ihn verblüfft herein. Er flegelte sich in einen Sessel und schaute sich neugierig um. „So schlecht sieht es hier ja gar nicht aus.“
„Da kannst du mal sehen“, Alice war richtig stolz auf sich.
„Ich hätte gedacht, dass du schon nach ein paar Tagen zu mir zurückgekrochen kommst.“ Dieser Mann war wirklich unbelehrbar. „Na gut, dann dauert es halt ein wenig länger.“
Alice blieb die Luft weg. Schweigend erhob sie sich und öffnete die Zimmertür. „Wo es hinausgeht, weißt du wohl alleine! Lass dich hier nie wieder blicken!“ Alfred lief rot an, stürzte zur Tür hinaus und knallte sie mit einer solchen Wucht zu, dass sie direkt wieder aufsprang.
Diese Aktion rief die Jungen auf den Plan. Sven nahm seine weinende Mutter in den Arm. „Sei froh, dass du ihn los bist. Du brauchst dir nie wieder etwas sagen lassen!“ Johannes, mit einem hitzigeren Temperament ausgestattet als sein Bruder, ballte die Fäuste. „Am liebsten würde ich ihm die Meinung sagen!“
Das war einige Zeit her, der Umzug schon lang über die Bühne gegangen und Alice genoss ihre neu erworbene Freiheit. Das erste wirklich zwanglose Weihnachtsfest seit Jahren hatte sie mit den Jungen bei ihrer Mutter verbracht, die recht froh war, den ungeliebten Schwiegersohn los zu sei.
„Ich wollte dir nie dreinreden, Kind, aber ich habe mir schon von Anfang an gedacht, dass dieser Mann nicht der Richtige für dich ist!“
Auch Alices Freundinnen waren dieser Meinung. Maggi, schon im Kindergarten ihre beste Freundin, hatte ihr gut zugeredet, Alfred zu verlassen. „Du bist viel zu schade für den Birnenkopf. Er wird sich nie ändern, er braucht eine Putzfrau mit Familienanschluss, mehr nicht.“
Das Zusammenleben mit den Söhnen erwies sich als unkompliziert. Die Zwei, 17 und 20 Jahre alt, waren froh darüber, dass sie so ziemlich tun und lassen konnten, was sie wollten. Jeder hatte sein Zimmer bezogen und sich häuslich eingerichtet. Den Küchendienst teilen sie sich und auch das klappte reibungslos. Sven, der Ältere, hatte sich zudem schwer verliebt. Seine Flamme war mehr oder weniger in seinem Zimmer eingezogen, was im elterlichen Haus von seinem Vater niemals toleriert worden wäre.
Alice hatte zwar einen langen Arbeitstag, aber das machte ihr nichts aus, denn sie fühlte sich endlich Unabhängig. Doch obwohl sie einen großen Bekanntenkreis hatte, fehlte etwas. Sie seufzte tief; es wäre wirklich schön, sich richtig zu verlieben. Man müsste ja die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.
‚Nie wieder mit einem Mann zusammenwohnen – und niemals, unter keinen Umständen wieder in die Ehefalle tappen!‘ Das hatte sie sich hoch und heilig geschworen.
„Ach was, du alte Ziege“, schalt sie sich selbst, „in deinem Alter sollte man nicht mehr so sentimental sein!“
Trotzdem ließ der Gedanke sie nicht los, und so brachte sie, bei einem der feucht-fröhlichen Weiberabende, die sich nach Alices Trennung wieder eingebürgert hatten, das Gespräch auf ihre Sehnsüchte. Heute hatten sich die Schwestern Gabi und Gilla ausgeklinkt, und so saßen nur Alice und Maggie zusammen. Alice hatte es sich auf dem Fußboden bequem gemacht, während ihre Freundin im Schneidersitz auf dem Bett hockte. Maggie, geborene Freifrau von Kollogurski, war schon seit etlichen Jahren geschieden. Als 17-jähriges Kind hatte sie sich Hals über Kopf in eine Ehe gestürzt, die dann prompt schief gegangen war. Im verflixten siebten Jahr packte sie ihre Koffer und verließ ihren despotischen Ehemann.
Seither gab es in unregelmäßigen Abständen einen Favoriten, aber diese Geschichten hielten in der Regel so lange, bis sich Maggie zu sehr gebunden fühlte, dann konnte sie die Beziehung abrupt beenden. In einem Fall hatte sie eine Ausnahme gemacht: Winston, 10 Jahre jünger, war mit Sack und Pack bei ihr eingezogen. Die Lovestory ging eine geraume Weile gut. Maggie arbeitete in der Chefetage eines gut gehenden Unternehmens und sorgte so für ein sicheres und gutes Einkommen, Winston versorgte den Haushalt und die Katze. Dann allerdings war Maggie heftig erkrankt und hatte als Folge ihren Job verloren. Je mehr ihr Bankkonto schrumpfte, umso mehr schrumpften Winstons Fürsorge und Liebe. In letzter Zeit hatten sich die Beiden häufig gestritten und Winston war kürzlich, nach einem wüsten Streit, in ein Einzimmerapartment, direkt über Maggie gezogen
. „Was macht Winston, hat er sich schon eingerichtet?“, die Frage konnte sich Alice nicht verkneifen.
„Vergiss es, er hat die sündhaft teuren Büromöbel mitgenommen, die ich ihm gekauft habe. Dann gibt es oben noch eine Einbauküche, die ist standardmäßig in den Wohnungen. Ansonsten hat er keine Möbel und schläft auf einer Matratze, die ich ihm mitgegeben habe.“
Alice grinste: „Hast du dir wenigstens eine Entschädigung für die Büromöbel geben lassen, in welcher Form auch immer?“
„Ach geh mir doch los, Winston ist chronisch pleite“, Maggie nahm einen kräftigen Schluck Rotwein, „und falls du auf etwas anderes anspielst: Da geht gar nichts und ich habe wirklich alles ausprobiert!“
„Das kann ich mir nicht vorstellen, Winston ist doch gerade mal Mitte dreißig, da dürfte seine Leistungsfähigkeit noch nicht gelitten haben.“
„Das hast du aber schön gesagt. Ich gebe dir mal ein Beispiel!“ Maggie redete sich in Rage. „Letztens habe ich mir sündhaft teure Dessous geleistet, ein Traum in schwarz. Das hat mich ein Heidenmoos gekostet. Du weißt ja, je weniger Stoff, umso teurer ist die Wäsche. Ich habe mich eine Stunde lang gestylt, mir den Alabasterleib mit wohlriechender Creme gesalbt, mir High Heels und die superscharfe Wäsche angezogen und bin vor ihm auf und ab gestöckelt. Winston saß vor seinem Computer, ich dachte er würde mich gleich vernaschen. Pustekuchen! Er hat kurz aufgeschaut und gemeint ich solle mir lieber einen Bademantel anziehen, ich würde mich sonst noch erkälten“, sie seufzte. „Wenn ich mir überlege, wie das vor ein paar Jahren gewesen ist!“
Alice nickte träumerisch. Sie konnte ihre Freundin gut verstehen. „Wäre es nicht schön, sich zu verlieben, mit Schmetterlingen im Bauch, Kribbeln in den Fußsohlen, mit rosaroter Zuckerwatte und himmelblauen Wolken!“
„Du spinnst ja, wie soll das gehen? Immerhin sind wir beide Mitte 40. Wo kriegt man da einen geeigneten Kandidaten für das Kribbeln und Kitzeln her! Männer in unserem Alter sind entweder verheiratet und suchen etwas nebenbei, oder sie sind geschieden und arm, denn sie müssen für Frau und Kinder bezahlen. Dann gibt es noch die unverheiratet Gebliebenen. Das die normal sind, kann ich mir nicht vorstellen! Schöne Aussichten!“
So schnell ließ sich Alice nicht entmutigen. „Es muss ja nicht Brad Pitt sein, der ist sowieso zu jung, aber einen Clooney im Westentaschenformat müsste es doch geben. Er braucht auch nicht reich zu sein, aber ein regelmäßiges Einkommen wäre schon schön. Vor allem aber muss er lieb, nett, fürsorglich, humorvoll, verständnisvoll …“
Hier unterbrach Maggie sie: „… und superpotent sein!“
Die Freundinnen gackerten los. „Weißt du was, wir suchen uns gemeinsam einen Westentaschenclooney!“, mit diesen Worten prostete Alice ihrer Freundin zu.
Sie hatte in den letzten Monaten einiges geschafft, sich aus einer Ehe befreit, die über 25 Jahre andauerte, die in den letzten Jahren immer weiter auseinanderdriftete.
Zuerst suchte sie sich einen Job, von dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten konnte. Verkäuferin in einer Boutique, das war sicherlich nicht ihr Traumberuf, aber er half ihr, eine bisher ungeahnte Selbstständigkeit zu entwickeln.
Dann die Gespräche mit den Söhnen: Was meint ihr, wollt ihr mit mir ausziehen, oder möchtet ihr in eurem gewohnten Umfeld bleiben? Die Antwort war ganz klar, beide wollten mit ihr zusammen den Schritt in die Unabhängigkeit wagen.
Der nächste Punkt auf der Liste war schon schwieriger zu bewältigen: Eine geeignete Wohnung musste gefunden werden. Hier half der Zufall, denn ihre Arbeitskollegin stieß in der Tageszeitung auf eine Annonce:
„Suche Nachmieter, drei Zimmer, Küche, Bad.“
Die Miete hielt sich im Rahmen des Bezahlbaren und die Wohnung erwies sich als ideal.
Der folgende Schritt war ihr unglaublich schwergefallen. Sie hatte nächtelang wach gelegen und sich überlegt, wie sie sich mit ihrem Mann auseinandersetzen sollte. Wie konnte sie ihm, der sich immer noch blind und taub stellte, klar machen, dass sie ihn verlassen würde?
Letztendlich erwies sich das Gespräch als halb so schlimm.
„Ich werde dich verlassen“, Alice ergriff spontan die Gelegenheit. Im Fernseher lief gerade die Werbepause und sie konnte hoffen, seine Aufmerksamkeit für sich zu beanspruchen.
„A-ha“, er schien nicht richtig verstanden zu haben und sie redete atemlos weiter
. „Ich habe eine kleine Wohnung angemietet, zum Ersten des nächsten Monats ziehe ich aus!“
Alfred setzte sich auf, schien langsam zu begreifen, was seine Ehefrau da von sich gab. „So, das hast du alles schon geregelt? Schön das ich auch davon erfahre“, er redete sich in Rage, „du willst mich wohl erschrecken, was! Buh, jetzt habe ich aber Angst! Wie willst du denn alleine klarkommen?“
Jetzt war Alice nicht mehr zu bremsen. Frust und Wut hatten sich schon lange in ihr aufgestaut. „Du arroganter Blödmann merkst wohl gar nichts! Hauptsache du hast deinen Fernseher, deine geregelten Mahlzeiten und immer ein kühles Bier. Wie es mir geht, interessiert dich überhaupt nicht!“
Alfred musterte sie von oben bis unten: „Ehrlich gesagt, nein, es interessiert mich nicht. Sei froh, dass ich dich und die Blagen mit durchziehe. Ohne mich würdet ihr keinen Monat zurechtkommen! Und jetzt ist Schluss mit dem hysterischen Gekeife, der Film geht weiter.“ Demonstrativ wandte er sich dem Fernseher zu und konzentrierte sich wieder auf den Agenten mit der Lizenz zum Töten.
Wortlos verließ sie das Zimmer, eigentlich war alles gesagt. In den nächsten Wochen hatte sie gepackt. Viel würde sie nicht mitnehmen, schließlich sollte es ein neues Leben werden und da wollte sie sich nicht mit Ballast aus der Vergangenheit beschweren. Alfred versuchte, ihr Tun weitestgehend zu ignorieren. Manchmal, wenn sich ihre Packerei gar nicht übersehen ließ, grinste er süffisant, oder ließ einen ironischen Kommentar vom Stapel. So richtig ernst schien er sie jedenfalls nicht zu nehmen.
Eine Woche vor dem Umzugstermin setzte er sich zu ihr in die Küche: „So, jetzt hast du es auf die Spitze getrieben, nun wird es Zeit, dass du wieder normal wirst.“
Alice schaute ihn mitleidig an: „Weißt du was, so normal wie in der letzten Zeit bin ich fast 20 Jahre nicht mehr gewesen. Wenn du bis jetzt noch nicht gemerkt hast, was los ist, so kannst du mir nur leidtun.“
Am Umzugstag fehlte jede Spur von ihm. Scheinbar hatte er in aller Frühe das Haus verlassen, doch kurz nach dem Auszug tauchte er überraschen in der neuen Wohnung auf. Sie bat ihn verblüfft herein. Er flegelte sich in einen Sessel und schaute sich neugierig um. „So schlecht sieht es hier ja gar nicht aus.“
„Da kannst du mal sehen“, Alice war richtig stolz auf sich.
„Ich hätte gedacht, dass du schon nach ein paar Tagen zu mir zurückgekrochen kommst.“ Dieser Mann war wirklich unbelehrbar. „Na gut, dann dauert es halt ein wenig länger.“
Alice blieb die Luft weg. Schweigend erhob sie sich und öffnete die Zimmertür. „Wo es hinausgeht, weißt du wohl alleine! Lass dich hier nie wieder blicken!“ Alfred lief rot an, stürzte zur Tür hinaus und knallte sie mit einer solchen Wucht zu, dass sie direkt wieder aufsprang.
Diese Aktion rief die Jungen auf den Plan. Sven nahm seine weinende Mutter in den Arm. „Sei froh, dass du ihn los bist. Du brauchst dir nie wieder etwas sagen lassen!“ Johannes, mit einem hitzigeren Temperament ausgestattet als sein Bruder, ballte die Fäuste. „Am liebsten würde ich ihm die Meinung sagen!“
Das war einige Zeit her, der Umzug schon lang über die Bühne gegangen und Alice genoss ihre neu erworbene Freiheit. Das erste wirklich zwanglose Weihnachtsfest seit Jahren hatte sie mit den Jungen bei ihrer Mutter verbracht, die recht froh war, den ungeliebten Schwiegersohn los zu sei.
„Ich wollte dir nie dreinreden, Kind, aber ich habe mir schon von Anfang an gedacht, dass dieser Mann nicht der Richtige für dich ist!“
Auch Alices Freundinnen waren dieser Meinung. Maggi, schon im Kindergarten ihre beste Freundin, hatte ihr gut zugeredet, Alfred zu verlassen. „Du bist viel zu schade für den Birnenkopf. Er wird sich nie ändern, er braucht eine Putzfrau mit Familienanschluss, mehr nicht.“
Das Zusammenleben mit den Söhnen erwies sich als unkompliziert. Die Zwei, 17 und 20 Jahre alt, waren froh darüber, dass sie so ziemlich tun und lassen konnten, was sie wollten. Jeder hatte sein Zimmer bezogen und sich häuslich eingerichtet. Den Küchendienst teilen sie sich und auch das klappte reibungslos. Sven, der Ältere, hatte sich zudem schwer verliebt. Seine Flamme war mehr oder weniger in seinem Zimmer eingezogen, was im elterlichen Haus von seinem Vater niemals toleriert worden wäre.
Alice hatte zwar einen langen Arbeitstag, aber das machte ihr nichts aus, denn sie fühlte sich endlich Unabhängig. Doch obwohl sie einen großen Bekanntenkreis hatte, fehlte etwas. Sie seufzte tief; es wäre wirklich schön, sich richtig zu verlieben. Man müsste ja die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.
‚Nie wieder mit einem Mann zusammenwohnen – und niemals, unter keinen Umständen wieder in die Ehefalle tappen!‘ Das hatte sie sich hoch und heilig geschworen.
„Ach was, du alte Ziege“, schalt sie sich selbst, „in deinem Alter sollte man nicht mehr so sentimental sein!“
Trotzdem ließ der Gedanke sie nicht los, und so brachte sie, bei einem der feucht-fröhlichen Weiberabende, die sich nach Alices Trennung wieder eingebürgert hatten, das Gespräch auf ihre Sehnsüchte. Heute hatten sich die Schwestern Gabi und Gilla ausgeklinkt, und so saßen nur Alice und Maggie zusammen. Alice hatte es sich auf dem Fußboden bequem gemacht, während ihre Freundin im Schneidersitz auf dem Bett hockte. Maggie, geborene Freifrau von Kollogurski, war schon seit etlichen Jahren geschieden. Als 17-jähriges Kind hatte sie sich Hals über Kopf in eine Ehe gestürzt, die dann prompt schief gegangen war. Im verflixten siebten Jahr packte sie ihre Koffer und verließ ihren despotischen Ehemann.
Seither gab es in unregelmäßigen Abständen einen Favoriten, aber diese Geschichten hielten in der Regel so lange, bis sich Maggie zu sehr gebunden fühlte, dann konnte sie die Beziehung abrupt beenden. In einem Fall hatte sie eine Ausnahme gemacht: Winston, 10 Jahre jünger, war mit Sack und Pack bei ihr eingezogen. Die Lovestory ging eine geraume Weile gut. Maggie arbeitete in der Chefetage eines gut gehenden Unternehmens und sorgte so für ein sicheres und gutes Einkommen, Winston versorgte den Haushalt und die Katze. Dann allerdings war Maggie heftig erkrankt und hatte als Folge ihren Job verloren. Je mehr ihr Bankkonto schrumpfte, umso mehr schrumpften Winstons Fürsorge und Liebe. In letzter Zeit hatten sich die Beiden häufig gestritten und Winston war kürzlich, nach einem wüsten Streit, in ein Einzimmerapartment, direkt über Maggie gezogen
. „Was macht Winston, hat er sich schon eingerichtet?“, die Frage konnte sich Alice nicht verkneifen.
„Vergiss es, er hat die sündhaft teuren Büromöbel mitgenommen, die ich ihm gekauft habe. Dann gibt es oben noch eine Einbauküche, die ist standardmäßig in den Wohnungen. Ansonsten hat er keine Möbel und schläft auf einer Matratze, die ich ihm mitgegeben habe.“
Alice grinste: „Hast du dir wenigstens eine Entschädigung für die Büromöbel geben lassen, in welcher Form auch immer?“
„Ach geh mir doch los, Winston ist chronisch pleite“, Maggie nahm einen kräftigen Schluck Rotwein, „und falls du auf etwas anderes anspielst: Da geht gar nichts und ich habe wirklich alles ausprobiert!“
„Das kann ich mir nicht vorstellen, Winston ist doch gerade mal Mitte dreißig, da dürfte seine Leistungsfähigkeit noch nicht gelitten haben.“
„Das hast du aber schön gesagt. Ich gebe dir mal ein Beispiel!“ Maggie redete sich in Rage. „Letztens habe ich mir sündhaft teure Dessous geleistet, ein Traum in schwarz. Das hat mich ein Heidenmoos gekostet. Du weißt ja, je weniger Stoff, umso teurer ist die Wäsche. Ich habe mich eine Stunde lang gestylt, mir den Alabasterleib mit wohlriechender Creme gesalbt, mir High Heels und die superscharfe Wäsche angezogen und bin vor ihm auf und ab gestöckelt. Winston saß vor seinem Computer, ich dachte er würde mich gleich vernaschen. Pustekuchen! Er hat kurz aufgeschaut und gemeint ich solle mir lieber einen Bademantel anziehen, ich würde mich sonst noch erkälten“, sie seufzte. „Wenn ich mir überlege, wie das vor ein paar Jahren gewesen ist!“
Alice nickte träumerisch. Sie konnte ihre Freundin gut verstehen. „Wäre es nicht schön, sich zu verlieben, mit Schmetterlingen im Bauch, Kribbeln in den Fußsohlen, mit rosaroter Zuckerwatte und himmelblauen Wolken!“
„Du spinnst ja, wie soll das gehen? Immerhin sind wir beide Mitte 40. Wo kriegt man da einen geeigneten Kandidaten für das Kribbeln und Kitzeln her! Männer in unserem Alter sind entweder verheiratet und suchen etwas nebenbei, oder sie sind geschieden und arm, denn sie müssen für Frau und Kinder bezahlen. Dann gibt es noch die unverheiratet Gebliebenen. Das die normal sind, kann ich mir nicht vorstellen! Schöne Aussichten!“
So schnell ließ sich Alice nicht entmutigen. „Es muss ja nicht Brad Pitt sein, der ist sowieso zu jung, aber einen Clooney im Westentaschenformat müsste es doch geben. Er braucht auch nicht reich zu sein, aber ein regelmäßiges Einkommen wäre schon schön. Vor allem aber muss er lieb, nett, fürsorglich, humorvoll, verständnisvoll …“
Hier unterbrach Maggie sie: „… und superpotent sein!“
Die Freundinnen gackerten los. „Weißt du was, wir suchen uns gemeinsam einen Westentaschenclooney!“, mit diesen Worten prostete Alice ihrer Freundin zu.